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Infektionskrankheiten · Dermatologie

Hautrötung: lokale toxische Reaktion, Erysipel oder Erythema migrans?

Strukturierte Differenzierung der umschriebenen Hautrötung nach Insektenstich, Zeckenstich oder ohne erkennbaren Auslöser. Die zeitliche Latenz und der Verlauf der Ausdehnung trennen die drei Bilder zuverlässiger als das Aussehen allein. Die gesteigerte Lokalreaktion erreicht ihr Maximum nach 24 bis 48 Stunden – genau dann, wenn sie in der Praxis am häufigsten fälschlich als Erysipel behandelt wird.

IDSA · EAACI · SSI · DDG

Schnellpfad

Elf Fragen

Je eine Antwort pro Frage. Nicht beurteilbare Fragen bleiben offen – die Gewichtung passt sich laufend an. Die stärksten Trennmerkmale sind die Latenz, der Verlauf der Ausdehnung und die Allgemeinsymptome.

Verfeinerung

Zusatzbefunde

Nur nötig, wenn der Schnellpfad kein klares Bild ergibt. Zutreffendes anklicken.

Sicherheit

Warnzeichen

Jedes angekreuzte Warnzeichen hat Vorrang vor der Gewichtung und erscheint zuoberst in der Beurteilung.

Nachschlagen

Merkmal Lokale toxische Reaktion Erysipel Erythema migrans
Ursache Toxische und allergische Reaktion auf Insektengift oder Speichelbestandteile Bakterielle Infektion der Dermis und der oberflächlichen Lymphgefässe, meist Streptokokken der Gruppe A Hautinfektion mit Borrelia burgdorferi sensu lato, Stadium der frühen lokalisierten Borreliose
Latenz Minuten bis Stunden nach dem Stich Stunden bis wenige Tage nach der Eintrittspforte 3 bis 30 Tage nach dem Zeckenstich, im Median 7 bis 14
Verlauf Maximum nach 24 bis 48 Stunden, danach Rückbildung über 3 bis 10 Tage Rasche Ausbreitung über Stunden Langsame zentrifugale Ausbreitung über Tage, um wenige Zentimeter
Grösse Meist unter 5 cm; gesteigerte Lokalreaktion über 10 cm, oft eine ganze Extremitätenpartie Variabel, oft grossflächig Mindestens 5 cm – Definitionskriterium
Aussehen Unscharfe Rötung mit Quaddel oder Papel im Zentrum, ödematös Scharf begrenzt, erhaben, glänzend, mit flammenförmigen Ausläufern Scharfer Aussenrand, oft homogen, nur in etwa einem Drittel mit zentraler Aufhellung
Leitsymptom Juckreiz Schmerz, Überwärmung, Druckdolenz Kaum Beschwerden, allenfalls leichtes Brennen
Allgemein Keine Fieber und Schüttelfrost, oft vor der Hautrötung Keine oder leichtes grippales Gefühl
Lymphabfluss Unauffällig Lymphangitischer Streifen, schmerzhafte regionale Lymphknoten Allenfalls leicht vergrösserte Lymphknoten
Labor Unauffällig CRP und Leukozyten erhöht Unauffällig; Serologie in den ersten Wochen häufig negativ
Diagnose Klinisch Klinisch Klinisch – keine Serologie nötig
Therapie Kühlung, topisches Steroid, orales Antihistaminikum; bei grosser Reaktion kurz Prednison. Keine Antibiotika. Penicillin, Hochlagerung, Ruhigstellung, Sanierung der Eintrittspforte Doxycyclin 10 bis 14 Tage, Alternative Amoxicillin
Häufigster Fallstrick Am zweiten Tag als Erysipel verkannt und unnötig antibiotisch behandelt Beidseitige Stauungsdermatitis als «Erysipel» fehlgedeutet Wegen fehlender zentraler Aufhellung oder negativer Serologie nicht behandelt